Diagnose Diabetes – was jetzt?

Immer häufiger wird bei Erwachsenen mit starkem Übergewicht in der Schweiz eine Diabetes-Typ-2 Diagnose erstellt. Laut Diabetes Schweiz ist dies meist bei Personen in der zweiten Lebenshälfte der Fall. So können Betroffene ihren Alltag neu ausrichten und eine gesunde Balance finden.

Samira Würsch

16. Juni 2026

Ein Patient und eine Ärztin sitzen an einem Tisch.
Mit der Unterstützung von Ärzten:innen können Diabetes Betroffene ihr tägliches Leben organisieren und ein gesundes Gleichgewicht finden. (Symbolbild: Adobe Stock)

Schweizweit leben etwa 500'000 Personen mit Diabetes. Somit ist eine von 16 Personen betroffen. Etwa 90% der Betroffenen leiden unter Diabetes-Typ-2. Man spricht von Diabetes, wenn der Körper Zucker im Blut nicht mehr richtig verwertet. Das ist fatal: Mit dauernd erhöhtem Blutzucker kann man langfristig Herz, Augen, Nieren und Nerven schädigen. 

Die gute Nachricht: Heute ist Diabetes gut behandelbar: Wer seinen Blutzucker im Zielbereich hält, kann Folgeerkrankungen deutlich reduzieren. Allerdings fällt eine Umstellung im Alltag vielen nicht leicht. Mit gezielter Unterstützung von medizinischen Fachpersonen und Fachorganisationen gelingt die Anpassung an die neuen Lebensumstände aber in vielen Fällen. Nicht zuletzt kann man mit 150 Minuten Bewegung pro Woche messbare Verbesserungen erreichen. Zu den schonenden Sportarten gehören Schwimmen, Nordic Walking, Wandern, Pilates und Yoga. 

Die wichtigsten Herausforderungen für Diabetiker:innen 

Technologie und Geräte: Wie gehe ich mit Sensoren, CGM und Apps um? 

Diabetes-Technologie bringt Vorteile, jedoch auch neue Unsicherheiten. Wichtig ist ein gut funktionierendes System. Das BGM-System (Blood Glucose Monitoring) wird am häufigsten angewendet. CGM-Systeme (Continuous Glucose Monitoring) verbessern die Blutzuckerkontrolle besonders bei insulinpflichtigem Diabetes (Diabetes-Typ-1). Die American Diabetes Association (ADA) betont die individuelle Auswahl je nach Bedürfnis.  

Neue Medikamente: Was sind Semaglutid, Tirzepatid und Mounjaro? 

Es gibt GLP-1-Rezeptoragonisten oder Medikamente mit dualem Wirkstoff. Die Auswahl sollte dem medizinischen Fachpersonal überlassen werden. Die Medikamente sollten auf Übergewicht oder Herzrisiko abgestimmt werden. Ärztliche Begleitung bleibt wegen Nebenwirkungen wichtig. 

Semaglutid (Ozempic/Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro) sind sehr wirksame Medikamente, die einmal pro Woche gespritzt werden und zur Behandlung von Typ-2-Diabetes sowie – je nach Zulassung – auch bei starkem Übergewicht eingesetzt werden. Semaglutid wirkt über das Hormon GLP-1, während Tirzepatid zusätzlich auch das Hormon GIP beeinflusst. In Studien zeigte Tirzepatid im Durchschnitt eine stärkere Gewichtsabnahme als Semaglutid. Beide Medikamente können typische Nebenwirkungen im Magen-Darm-Bereich verursachen, zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall.

Ernährung im Alltag: Was darf ich noch essen? 

Es gibt keine besondere Diabetes-Diät. Mediterrane oder ballaststoffreiche Ernährungsweise ist flexibel und alltagstauglich – auch für Diabetiker:innen. Der Fokus liegt da auf gesunden Kohlenhydraten, Portionen und Regelmässigkeit, nicht auf Verboten. Kohlenhydrate aus Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Gemüse und Obst, halten den Blutzuckerspiegel stabil und sättigen lange. Sie sollten 45–60% der täglichen Kalorienzufuhr ausmachen, idealerweise mit drei Portionen (je eine Handvoll) über den Tag verteilt. Man kann Haferflocken, Naturreis, Linsen, Kartoffeln und Quinoa verwenden. 

Remission und Lifestyle: Kann Diabetes verschwinden? 

Oft wird Remission als Heilung missverstanden. Aber Diabetes verschwindet nicht einfach. Unter bestimmten Voraussetzungen ist eine Remission möglich – also normale Blutzuckerwerte ohne Medikamente. Man verwendet jedoch nicht den Begriff Heilung, sondern sieht es als einen Zustand, der aktiv erhalten werden muss. Das behandelnde Fachpersonal kann die individuelle Situation gezielt einschätzen. 

Diabetes-Screening: Wie funktioniert die Früherkennung von Diabetes-Typ-2? 

Typ-2-Diabetes entwickelt sich oft schleichend. Prädiabetes (eine Vorstufe von Diabetes-Typ-2) bleibt häufig unbemerkt. Ein Diabetes-Screening (Früherkennung) wird bei Risikofaktoren wie Übergewicht empfohlen. So können langfristig Komplikationen vermieden werden. 

Schule, Beruf und Alltag: Wie gehe ich mit Diabetes-Belastungen im Alltag um? 

Diabetes ist eine Alltagsaufgabe, nicht nur eine Diagnose. Schulungen zum Umgang mit Diabetes-Belastungen können den Therapieerfolg und die Sicherheit im Alltag verbessern. Unterzuckerung im Verkehr, Sport und bei Kindern muss besonders berücksichtigt werden. 

Die folgenden Kurz-Checklisten können bei einer neuen Diabetes Diagnose Orientierung bieten: 

  1. Blutzucker im Blick behalten: Werte regelmässig messen oder Sensor nutzen. Veränderungen mit dem medizinischen Fachpersonal besprechen. 
  2. Unterzuckerung erkennen: Auf Zittern, Schwitzen, Unruhe, Konzentrationsprobleme achten und Traubenzucker griffbereit haben. 
  3. Bewegung einbauen: Kleine Schritte zählen, denn Bewegung senkt den Blutzucker häufig sofort. 
  4. Essen ohne Stress: Keine Verbote, sondern bewusste Portionen mit Ballaststoffen stabilisieren den Blutzucker. 
  5. Schulungen nutzen: Denn Wissen gibt Sicherheit und Selbstmanagement verbessert die Therapie deutlich. 

Für Angehörige gilt: 

  1. Nachfragen, statt Urteilen: «Wie kann ich dich unterstützen?» wirkt besser als jeder Ratschlag. 
  2. Hypoglykämie ernst nehmen: Wenn jemand plötzlich verwirrt oder sehr blass wirkt, kann man Traubenzucker geben oder im Zweifel Hilfe holen. 
  3. Normalität fördern: Ja, Diabetes gehört zum Alltag – jedoch definiert es nicht die Person. 
  4. Finden gemeinsamer, gesunder Routinen: Spaziergänge, ausgewogene Mahlzeiten und Stressabbau helfen. 

Hinweis: Die genannten Empfehlungen dienen als Ergänzung und sollten ärztlichen Rat nicht ersetzen. Das medizinische Fachpersonal und Diabetes Schweiz helfen gerne weiter.