Ernährung und Krebs: Mythen, Fakten und praktische Empfehlungen
Eine Krebsdiagnose bringt nicht nur medizinische Fragen mit sich, sondern oft auch eine Flut an Ratschlägen zur Ernährung. Von „Krebsdiäten“ über Zuckerverbote bis hin zu Vitamininfusionen – das Angebot an vermeintlich hilfreichen Tipps ist riesig. Doch was davon ist wirklich sinnvoll?

Die Onkologin Prof. Jutta Hübner, Expertin für integrative Onkologie, bringt im Interview mit dem «Spiegel» Licht ins Dunkel. Ihre Botschaft ist klar: Es gibt keine spezielle Krebsdiät, aber eine ausgewogene Ernährung kann die Therapie entscheidend unterstützen.
Keine Krebsdiät – aber eine gesunde Basis
Eine Ernährungsform, die Krebs gezielt bekämpft, ist wissenschaftlich nicht belegt. Wichtiger ist, dass Betroffene ausreichend mit Kohlenhydraten, Eiweissen, Fetten und Mikronährstoffen versorgt werden. Ziel ist es, den Körper in einer oft kräftezehrenden Therapiephase zu stabilisieren – und nicht durch strenge Diäten zusätzlich zu belasten.
Zucker und ketogene Ernährung: Mythen mit Risiken
Die Theorie, Zucker „füttere“ Krebszellen, hält sich hartnäckig – ist aber falsch. Auch ein kompletter Verzicht entzieht dem Tumor keine Energie. Besonders kritisch ist die ketogene Ernährung, da sie leicht zu Mangelernährung führen kann und keinen belegten Vorteil für den Therapieerfolg bietet.
Gewicht: Balance statt Extreme
Übergewicht ist ein Risikofaktor für Krebs, dennoch gilt: Während einer laufenden Therapie sind Crash-Diäten tabu. Untergewicht und Mangelernährung erhöhen das Risiko für Komplikationen. Kleine „Sünden“ wie ein Stück Kuchen sind erlaubt – entscheidend ist die Gesamtbilanz.
Milchprodukte: Wertvolle Eiweissquelle
Der Verzicht auf Milchprodukte wird oft empfohlen – zu Unrecht. Studien zeigen, dass Milch und Joghurt sogar mit einem geringeren Krebsrisiko assoziiert sein können. Sie liefern hochwertiges Eiweiss und wichtige Aminosäuren, die während der Therapie besonders wichtig sind.
Fasten und Nahrungsergänzungsmittel: Vorsicht vor falschen Versprechen
Fastenkuren oder Intervallfasten können während einer Krebsbehandlung gefährlich sein, da sie den Körper zusätzlich schwächen. Ähnlich kritisch sind hoch dosierte Vitamininfusionen oder Nahrungsergänzungsmittel ohne nachgewiesenen Mangel: Sie sind nicht nur wirkungslos, sondern können sogar die Therapie stören.
Woran man seriöse Empfehlungen erkennt:
- Keine extremen Verbote oder einseitigen Ernährungsweisen
- Orientierung an wissenschaftlich fundierten Leitlinien (z. B. der Krebsliga Schweiz)
- Personalisierte Anpassung: Bei Verdacht auf Mangel → gezielte Diagnostik und Ergänzung durch Fachpersonen
Ein empfehlenswertes Angebot ist das Projekt «Was essen bei Krebs?», das Betroffenen fundierte Informationen und Rezeptideen bietet.
Fazit
Eine gesunde Ernährung während einer Krebstherapie bedeutet Vielfalt statt Verzicht. Wer auf eine ausgewogene Kost setzt, den Körper ausreichend mit Energie und Nährstoffen versorgt und sich nicht von fragwürdigen Trends verunsichern lässt, unterstützt damit bestmöglich seine Behandlung und Lebensqualität.


